Fundberichte 2008 

 

 

Endlich ist ein sehr langer und zum Schluss harter Winter vorbei. Nachdem ich mich 7 Monate intensiv um die Sicherheit unserer Skitouristen bemüht habe, bin ich froh, unsere schöne Natur alleine zu geniessen und mich frei zu fühlen. Das Erwachen unserer Vegetation fasziniert mich jedes Jahr ...

 

1. Frühling 

Endlich ist ein sehr langer und zum Schluss harter Winter vorbei. Nachdem ich mich 7 Monate intensiv um die Sicherheit unserer Skitouristen bemüht habe, bin ich froh, unsere schöne Natur alleine zu geniessen und mich frei zu fühlen. Das Erwachen unserer Vegetation fasziniert mich jedes Jahr und gibt mir neue Kraft. Die Vielfalt unserer Blumen und Tiere ist für mich seit frühester Jugend sehr anziehend, da fühle ich mich Gott näher als in einer Kirche mit einem langweiligen Pfarrer.

 

Samstag 24.05.2008. Nach vielen Tagen Arbeit an meinem Zuhause und im Garten entschliesse ich mich, das erste Mal richtig zu strahlen. Es ist morgens um sieben als ich von zu Hause wegfahre. Ich entscheide mich für eine Gegend der Gemeinde Lumbrein im Lugnez. In dieser Gegend war ich auch schon früher unterwegs und habe auch kleinere Klüfte gefunden.

 

In den 90zigern Jahren wurde hier durch Zufall eine grosse Kluft mit sehr gutem Material gefunden. Junge Strahler waren während der Jagd auf einen entwurzelten Baum in unwegsamen Gelände gestossen, und haben mit grossem Erstaunen festgestellt, dass nicht nur Erde und Steine an der Oberfläche waren, sondern lauter Kristalle!! In der Folge wurde diese Kluft von den Strahlern ausgebeutet. Noch heute sieht man in der darunter liegenden Schlucht grosse zerschlagene Gruppen, die wahrscheinlich völlig im Lehm eingebettet waren und von den jungen Strahlern übersehen und  so achtlos den Berg runtergekullert wurden. Aber nichts desto trotz hat diese Kluft wunderbare Kristalle geliefert und auch grosse Stufen mit bester Qualität. In der Folge wurde diese Gegend sehr intensiv von mehreren Strahlern abgesucht, jedoch wurde nie mehr eine bedeutende Kluft gefunden. Heute, 15 Jahre danach erinnert ausser den oben erwähnten, kaputten Gruppen nichts mehr ans Strahlen. Man sieht kaum Quarzbänder,  keine frischen Grabspuren und auch kein Werkzeug, was mich ein bisschen überrascht, denn solche Gegenden sind im Lugnez selten geworden.

 

Es ist Mittag geworden und ich entschliesse mich in der Nähe der grossen Kluft zu graben, da sich ein Quarzband hier in den Boden reinzieht. Nach zwei Stunden mühsamer Arbeit glaube ich es geschafft zu haben, denn ich halte eine auskristallisierte Platte in meiner blutenden Hand. Die Kristallspitzen sind zwar nur 1-2 cm. hoch, aber ich denke, die werden tiefer unten schon noch grösser. Zwei oder drei Stunden danach ist mein Ablageplatz voll mit Kristallen. Meine Freude hält sich jedoch in Grenzen, weil die Gruppen zwar grösser geworden sind , die darauf gewachsenen  Kristalle aber nicht. Abends entschliesse ich mich, meinen Rucksack voll zu packen, um die Qualität der Kristalle nach dem Waschen zu prüfen. Leise befürchte ich, dass es die Kristalle nicht bis in mein Haus schaffen und nach dem Waschen in meinem Garten landen werden.. Mit getrübter Freude und schwerem Rucksack mache ich mich auf dem Weg nach Hause.

 

Nach ungefähr 10 Metern  rutsche ich auf dem steilen Abhang aus und ärgere mich am Boden liegend über meine Schuhe und die Ameisen, die mir die Füsse hoch krabbeln und mich kitzeln. Nach näherem Hinsehen bemerke ich, dass ich mitten auf einem Ameisenweg gelandet bin; also ist es klar, dass sie an mir rumturnen und mich verscheuchen wollen. Mein Ärger legt sich langsam und ich beobachte interessiert, wo denn die Ameisen alle hin wollen. Durch Zufall entdecke ich ein kleines Quarzstück, das unter einer Wurzel ein bisschen glänzt. Mühsam mit meinem vollen Rucksack auf dem Rücken, steige ich wieder zwei Meter hoch, um das besagte Quarzstückchen raus zu ziehen. Na ja denke ich mir, als ich die kleine Platte, die ein bisschen auskristallisiert ist in meiner immer noch blutenden Hand halte. Die kann ja von überall oder sehr wahrscheinlich von der grossen Kluft, 15 m über mir, runtergekommen sein. Eigentlich im Begriff zu drehen und runter zu gehen, fällt mein Blick auf ein zweites, ähnliches Quarzstück, das aber zwischen Wurzeln und Felsen eingeklemmt ist. Augenblicklich fange ich an zu überlegen und schaue mir die Rotfichte über mir an.

 

Da ich oft im Wald holze oder Pilze suche, kenne ich mich ein bisschen mit dem Wald aus. Ich schätze die Tanne auf ungefähr 30ig jährig, also muss das Quarzstück vor der Ausbeutung der grossen Kluft schon da gelegen haben. Obwohl dies noch überhaupt nichts heisst und  nur die manchmal komischen Gedanken und Überlegungen eines Strahlers darstellen soll. Nur widerwillig entschliesse ich mich, meinen Rucksack abzuziehen, um die Stelle näher zu untersuchen. Mit einem grossen Schritt überwinde ich die Ameisenautobahn, um meinen Rucksack an einer sicheren Stelle zu deponieren. Mit einem Grübler ausgerüstet schwinge ich mich wieder auf die andere Seite der Ameisenautobahn, um keine der  Tiere zu zertreten. Ich bin ein absoluter Tierliebhaber und augenblicklich fällt mir ein, wie rücksichtslos und profitgierig die ganze Welt mit den Tieren umgeht. Falsches Thema, falscher Ort .Drüben angekommen fange ich sofort an, mit meinem Grübler rumzustochern. Nach einer Weile merke ich, wie mühsam das Graben zwischen den Wurzeln ist und manche Ameisen verlassen ihre Autobahn und verirren sich wieder auf meine Unterschenkel. Die Stelle liefert nur vereinzelte Kluftzeichen, mein Handy klingelt 10 m entfernt aus dem Rucksack. Leicht genervt entschliesse ich mich den Anruf entgegenzunehmen und eine Zigarette zu rauchen. Nach dem Genuss dieses Scheissding  und dem Erledigen des Telefonats begebe ich mich wieder zur Stelle und grabe weiter. Nach einer Weile kommen immer mehr Quarzstücke zum Vorschein und ich kann mit Gewissheit feststellen, ein verstecktes Quarzband gefunden zu haben.  Nur was ist dieses Quarzband wert? 

 

Inzwischen muss ich meinen Kopf durch die Wurzeln stecken, um etwas zu sehen. Schwer,  kalt und dreckig drücken zwei Wurzeln gegen meine Schultern, von oben fällt Dreck in  meine demolierte Frisur. Plötzlich male ich mir eine ähnliche erotische Situation vor, die aber meistens mehr Spass macht und frage mich, was mache ich eigentlich hier? Mit den Gedanken in einer völlig anderen Welt, halte ich plötzlich etwas in der Hand, das in  mich wie das Gas geben eines Ferraris einfährt. Nach  zwanzig Jahren Strahlen weiss und fühlt man den Unterschied  zwischen Dreck, Steinen und Kristallen die man in der  Hand hält, ohne etwas zu sehen. Angespannt und elektrisiert zwänge ich zuerst meinen Kopf und dann meine Hand zurück, um den Inhalt meiner Hand im Tageslicht zu  betrachten. Da liegt  sie nun, die  Antwort auf die vorher von mir gestellte Frage. Dafür, für dieses unbeschreibliche Gefühl eine Kluft geöffnet zu haben, wühlen wir tagelang oft vergebens im Dreck umher. In meiner Hand halte ich eine wunderschön aufgebaute, kleine Stufe, deren Spitzen ungefähr 6 cm hoch sind. Jetzt weiss ich mit Sicherheit, dass sich unter diesem Baum eine Kluft befindet. Behutsam deponiere ich die Stufe beim Rucksack. Da es langsam spät geworden ist, inspiziere ich die Stelle zum letzten Mal, um das weitere Vorgehen zu planen. Die Ameisenautobahn geht rechts an der Kluft vorbei und wird kaum umzuleiten sein. Auf jeden Fall muss eine Säge mit, um die Wurzeln zu entfernen, die mich beim weiteren Vordringen zur Kluft behindern und mich auf falsche Gedanken brachten. 

 

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Die Kluft am 2. Tag. Deutlich sieht man die abgesägten Wurzeln und die Fichte über der Kluft 

 

Montag 26. Mai. Zum zweiten Mal bin ich jetzt bei der Kluft, zusätzlich ausgerüstet mit Säge und Fotoapparat. Nach drei Stunden entfernen von Schieferplatten und Wurzeln wird die ungefähre Lage der Kluft sichtbar. Zwischen zwei kleinen Runsen zieht sich ein  ca. 2 m hoher und 10 m breiter Rücken den steilen Hang hoch. Ziemlich in der Mitte dieses Rückens liegt horizontal die Kluft, genau unter dem Baum. Und das ist auch das Problem dieser Kluft, weil sich die Wurzeln in der Kluft verbreitet haben und schwer zu entfernen sind .Die Wurzeln  hatten Vor- und Nachteile. Vorteil: die Wurzeln hatten die enge Kluft auseinandergepresst und so das Berühren der Kristallspitzen mit den Spitzen der gegenüberliegenden Wand verhindert. Nachteil: die Wurzeln hatten die grossen Gruppen zerteilt und viele gesprengt. Beweis dafür ist, dass viele Gruppen im Lehm auseinander fielen, aber praktisch keine Verletzungen an den Spitzen festzustellen war. Weil der ganze Felsriegel vor der Kluft auch ziemliche Risse aufwies, konnte ich nach dessen Abtragung die Kristallgruppen aus dem kaugummiartigen Lehm sehr gut befreien. Abends um vier hatte ich meinen Rucksack mit kleinen, aber schönen, unversehrten Gruppen gefüllt.

 

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 Die Kluft am 3. Tag / Die Kluft zieht sich immer weiter unter den Baum

 

Freitag 28. Mai. Wieder stehe ich vor der offenen Kluft. Jetzt heisst es wieder Schiefer abtragen, bevor es ans Ernten geht. Unbeirrt von mir arbeiten die Ameisen einen Meter rechts von mir und schleppen Tannennadeln die steile Ameisenautobahn rauf und runter. Nach ungefähr 3 Stunden Fels abbauen, geht es wieder ans Ernten und innerhalb einer Stunde ist mein Rucksack wieder gefüllt. Da die Gruppen vollständig im Lehm eingebettet sind, kann man  meistens nur erahnen, wie schön sie sind. Da die Gruppen diesmal ein bisschen grösser waren, fanden drei Stücke den Weg in meine Privatsammlung.

 

Montag 1. Juni. Entgegen meinen Befürchtungen geht die Kluft weiter und innerhalb von 4- 5 Stunden ist mein Rucksack wieder gefüllt mit sehr schönen Stufen. Die meisten Stufen weisen Phantomein-schlüsse auf, und sind auf der Rückseite immer mit einer dünnen Talkschicht überzogen, was der Stufe ein sehr interessantes Licht gibt.

 

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Der dritte Rucksack gewaschen auf dem Tisch / Herrliche Gruppe mit Calcitwürfel   ( verkauft )

 

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Schöner Aufbau 80.-- Fr / Sammlung                       

 

 

2. Herbst

Herbst 2007 Exkursion mit einer tollen Familie auf die Leisalp. Es ist Mitte Oktober  und die Strahler-saison geht zu Ende. Durch Zufall entdecke ich mit den Kindern ein verstecktes Band, was aber auf der Alp Leis nichts heisst, denn da gibt es hunderte Quarzbänder, die gar nichts oder nur  minderwertige Ware hergeben.. Ohne grosse Erwartung bearbeite ich dieses Band und nach kurzer Zeit kommen die ersten Zinken zum Vorschein. Die Qualität der Kristalle ist wunderbar, es kommen auch kleine schöne Stufen aus der Kluft. Die Kinder sind total begeistert, weil auch sie einige Kristalle erhalten. Leider geht die Kluft genau so schnell zu ,wie sie aufgegangen ist und zurück bleibt ein hartes Quarzband mit einem kleinem Loch. 

 

Juni 2008 gemütlicher Strahlertag auf der Leisalp. 9.00h Tagwache, 10.00h Kaffetrinken in Vals, 11.00h Kaffeetrinken auf der Leisalp bei Clara und Ihrer netten Familie.12.00h Ankunft bei der letztjährigen Fundstelle. Nach einem gemütlichen Mittagessen erfolgt der verdiente Mittagsschlaf .13.30h Ich kann nicht mehr schlafen , weil dauernd Touristen vorbeispazieren und mich fragen, was ich mit dem Werkzeug vorhabe , das um meine Liegestelle verstreut ist. Ziemlich genervt fange ich an zu lesen.15.00h Es ist heiss, meine Lektüre langweilig und die Wanderer sind auch noch unterwegs. Widerwillig und nach genauer Absprache mit meiner Freundin entschliesse ich mich doch noch, mein Werkzeug einzusetzen. Das Quarzband ist noch immer so hart wie letztes Jahr und die Fragen der Touristen werden auch nicht besser. Innerlich beschliesse ich, nie mehr neben einem Wanderweg zu arbeiten. 16.30h Das Band öffnet sich zum zweiten Mal und dieses Mal ist die Kluft viel grösser mit wunderbaren Stufen. 

 

Es ist schon komisch, wie unterschiedlich man zum Erfolg kommt. 2 Monate später hing ich tagelang am Seil in der brüchigen, lebensgefährlichen Nordwand des Frunthorns, ohne nennenswerten Erfolg. 

 

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Herrliche Stufe, völlig intakt

 

kluft leis 1strahlen im gletschergebiet 3

Auch diese Kluft lieferte mehrere Rucksäcke schöner Stufen / Die Suche unter Tonnen von Eis

 

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Perfekt mit Chloriteinschluss 20 cm. Hoch / Grosse Gruppe 55 kg wird sichtbar

 

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Freude nach der Bergung / Gruppe aufgesockelt 3000 Fr.